Ortsgeschichte

Zur Geschichte Wirsbergs

Wirsberg ist wohl Anfang des 13. Jahrhunderts gegründet worden und bereits Ende des 13. Jahrhunderts wurde Wirsberg urkundlich bereits als Markt aufgeführt. Der Ort gehörte immer zur Herrschaft Plassenburg, zuerst den herzögen von Meranien, später den Grafen von Orlamünde und seit 1340 den Burggrafen von Nürnberg, die aus dem Hause der Hohenzollern sich später Markgrafen von Brandenburg-Bayern nannten. Nach dem Ort Wirsberg nannte sich ein Ministerialgeschlecht, die Herren von Wirsberg. Eine Familie, die den benachbarten Fürsten, vor allem den eigentlichen Landsherren brauchbare Amtleute und Hauptleute stellte. 1481 erschien als Amtmann zu Wirsberg Kunz der jüngere von Wirsberg zu Lanzendorf. Dieser Edle von Wirsberg war 1493 „Hauptmann auf dem Gebirg“. Der Amtssitz war auf der Plassenburg. Damit war er zugleich oberster Verwaltungsbeamter und höchster Richter. Er war einer der „Großen“ aus dem Adelsgeschlecht derer von Wirsberg. Er veranlaßte die Einteilung des Landes in Kreise mit Bayreuth, Hof, Kulmbach und Wunsiedel.

Wie viele Orte in Franken, mußte auch Wirsberg unter den Heeren des 30-jährigen Krieges viel leiden. Am 1. Februar 1633 fiel der kaiserliche Oberst Marcus Corpitz mit einer starken Reiterei in Wirsberg ein, ließ die Häuser plündern und fast den ganzen Ort niederbrennen. Die Einäscherung Wirsbergs geschah nachmittags um 14 Uhr, das tägliche Glockenläuten erinnert noch heute an dieses große Unglück. Auch in den Jahrzehnten darauf wurde Wirsberg vor weiteren Einmärschen fremdländischer Kriegstruppen nicht verschont.

Der Wiederaufbau Wirsbergs währte über Jahrzehnte, und vor genau 300 Jahren, im Jahre 1701, stand das letzte Haus um den Marktplatz, das Rathaus.

Das Jahr 1870 brachte den Krieg gegen Frankreich. Von der Kirchengemeinde nahmen 15 aus Wirsberg, sieben aus Neuenmarkt und 17 aus der politischen Gemeinde Neufang teil. Alle Kriegsteilnehmer kehrten wohlbehalten aus Frankreich zurück und im Jahre 1889 wurde das Kaiserdenkmal errichtet. „als eine Erinnerung an den glorreichen Krieg 1870/71“.

Im Juli 1872 wurde auf Initiative des damaligen Bürgermeisters Leonhard Oetter, des Pfarrers Johann Konrad Enck, des Kantors und Schulleiters Georg Friedrich Kaupper und der Gemeinderäte Kaspar Senfft und Johann Bartholomäus Göring der Verschönerungsverein gegründet mit dem Ziel, die Landschaft um Wirsberg für eine neue Erwerbsquelle, den Fremdenverkehr, zu erschließen.

Die Kriegsjahre 1914 –1918 brachten für Wirsberg einen Stillstand in seiner Entwicklung. Wirsberg hatte zu Beginn des Krieges 870 Einwohner. Die waffenfähige Jugend mußte in den Krieg ziehen und hatte einen hohen Blutzoll zu entrichten.

Der Ausbau des Fremdenverkehrs, die Erneuerung der Trinkwasser-versorgungsanlage mit Zuerwerb von Quellen und der Bau eines Hochbehälters waren die vordringlichsten Projekte im Nachkriegsjahr 1919.

Angeregt durch die Initiative der beiden Hotelbesitzer Hans Werner und Hans Kießling, die schon 1922 eigene Pläne zum Bau eines Schwimmbades vorlegten, entschloß sich der Gemeinderat 1924 zum Bau eines Schwimmbades im Schorgasttal und im Spätsommer 1924 war das Flußbad fertig. Bis zum Jahr 1925 wurde das gesamte Ortsnetz erneuert.

Bis zur Jahreswende 1944/45 blieb Wirsberg von direkten Einwirkungen des 2. Weltkrieges verschont. Die Jugend aber hatte bis dahin auf allen Kriegsschauplätzen bereits einen hohen Blutzoll entrichten müssen, im Markt wurden Hotels und Schulen zu Lazaretten umfunktioniert. Militärtransporte berührten täglich den Bahnhof Neuenmarkt/Wirsberg. Nach Wirsberg verlagerten kriegswichtige Betriebe Teilbereiche, wie die Viktoria-Werke Nürberg, Fertigungsteile von Torpedos in die Werkräume der Firma Wilhelm Kneitz und die Fliegertechnische Schule in die Betriebsräume des Granitwerks Adam Müller. Auch die Segelflugschule am Sessenreuther Berg war Anziehungspunkt für Luftangriffe. In den Mittagsstunden am 16. April 1945 trafen erste Panzerspähwagen einer amerikanischen Vorausabteilung von Neuenmarkt her auf dem Marktplatz in Wirsberg ein. Aus vielen Fenstern hingen weiße Tücher. Wirsberg war besetzt – der Krieg für die Bewohner zu Ende.

Das Jahr 1952 war mitentscheidend für die sprunghafte Entwicklung im Fremdenverkehr nach dem Zweiten Weltkrieg. Die ersten Verhandlungen mit Berliner Reiseunternehmen brachten erfreuliche Ergebnisse. Jedes verfügbare Bett wurde ausgelastet. In einer denkwürdigen Sitzung im März 1954 sprach sich der Gemeinderat für den Bau eines neuen Schwimmbades aus, das 1955 der Öffentlichkeit übergeben werden konnte.

Die fünfziger Jahre waren für Wirsbergs Entwicklung entscheidend. Es entstanden Neubaugebiete und Wirsberg war eine der ersten Gemeinden im Landkreis, die 1959 bereits die staubfreie Müllabfuhr einrichteten.

Die sechziger Jahre waren für den Markt das Jahrzehnt der großen Investitionen, der Bautätigkiet und damit der städtebaulichen Ent-wicklung. Mit den neugeschaffenen Siedlungsgebieten, einem breiten Angebot moderner Fremdenzimmer in Privatpensionen, einem aufgeschlossenen Hotel- und Gaststättengewerbe, den neugeschaffenen Kuranlagen im Schorgasttal, dem Terrainkurwegenetz und rund 100 Kilometern markierter Wanderwege erhielt Wirsberg mit der Urkunde vom 27. November 1961 vom Bayerischen Fachausschuß das Prädikat Luftkurort.

Das Jahr 1978 brachte die Verwaltungsreform mit der Eingliederung von Himmelkron, Marktschorgast, Neuenmarkt und Wirsberg zu einer Verwaltungsgemeinschaft mit Sitz in Neuenmarkt. Trotz getrennter Unterbringung der einzelnen Sachgebiete wurde in allen Bereichen optimal gearbeitet. Mit Wirkung vom 31. Dezember 1979 wurde die Verwaltungsgemeinschaft auf Drängen der beteiligten Gemeinden und Märkte aber wieder aufgelöst.

Die achtziger Jahre wurden eingeleitet mit einer für Wirsberg nutzbringenden Verwaltungsreform und zugleich Umfunktionierung des bisherigen Schulhauses zu einem modernen, behindertengerechten Rathaus. Die Rathauseinweihung erfolgte am 19. September 1981. Ein Jahr später wurde das Konzept für den Umbau des Walschwimmbades im Schorgasttal zu einem zeitgerechten Freizeitbad erarbeitet. Das Jahr 1983 stellte mit dem „Geheimtip für Brautpaare“ den Kurort als Hochzeitsparadies heraus. Interviews mit allen Rundfunkanstalten machten den Kurort bundesweit bekannt. Mit dem Bayerischen Rundfunk nahmen viele bundesdeutsche Lokalzeitungen, aber auch Illustrierte dieses Angebot auf und berichteten über Wirsberg als Hochzeitsdorf im Grünen. Daß Wirsberg noch im gleichen Jahr aus der Hand des Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß die Urkunde als behindertenfreundliche Gemeinde in Empfang nehmen konnte, war Ausdruck und Bestätigung einer jahrelangen guten Behindertenarbeit.

Schon seit Ende der achtziger Jahre ist Wirsberg an die Ferngasversorgung angeschlossen. In den Jahren darauf konnte die Wasserversorgung ausgebaut und der Anschluß aller Wirsberger Bergdörfer an einer hygienisch einwandfreien Wasserversorgung sichergestellt werden. In der Folgezeit wurde die wohnbauliche Entwicklung mit der Erschließung von Bauplätzen wie z. Bsp. Vorderer Steig, Weihergarten/Hegnich, Tischeräcker, Häfnersleite und Dorfanger angekurbelt und somit das Wohnen auf dem Dorf gefördert.

Im Jahre 1991 konnte der modernisierte Bauhof eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden.

Der Wirsberger Marktplatz wurde durch die Neugestaltung 1995 im Rahmen der Städtebauförderung zu einem Blickfang und Anziehungspunkt zugleich. Mit dem Bau eines Parkdecks am Hügel und den zusätzlichen Parkflächen am Anger stehen seitdem über 100 Parkplätze zur Verfügung. Durch die Sanierung der historischen Schorgastbrücke im Jahre 1996 konnte ein Stück Wirsberger Geschichte erhalten werden. Im Jahre 1994 fertiggestellt und seitdem voll belegt ist der zweigruppige Herbert-Kneitz-Kindergarten, der vom AWO-Kreisverband Kulmbach getragen wird. Für die Sicherstellung eines optimalen Brandschutzes wurden in Wirsberg und in den Ortsteilen Neufang, Weißenbach/Osserich und Cottenau neue Feuerwehrhäuser gebaut. Wirsberg bietet über 650 wohnortnahe Arbeitsplätze im Fremdenverkehrs-, Dienstleistungs-, Handels- und Industriebereich. Als modernes Zuliefer-Industrieunternehmen für die Automobil- und Möbelbranche hat sich die Firma Kneitz weltweit einen Namen gemacht. Das neu erbaute Alten- und Pflegeheim „pro seniore Residenz Wirsberg“ bietet mit seinen 80 Pflegeplätzen für alle älteren Mitbürger die Möglichkeit, unter fürsorglicher Betreuung im Luftkurort Wirsberg zu wohnen. Aufgrund der historischen Verbindungen der früheren Herren von Wirsberg mit der Gemeinde Georgenberg im Oberpfälzer Wald, wurden im Jahre 1998 erste freundschaftliche Bande geknüpft und durch gegenseitige Besuche gefestigt. Mit der Unterzeichnung und dem Austausch der Urkunden am 15. Mai 1998 konnte die gewachsene Partnerschaft zwischen dem Markt Wirsberg und der Gemeinde Georgenberg offiziell besiegelt werden.

Der Luftkurort Wirsberg hat seine Gastronomie, die Leistungsfähigkeit und fränkische Gastlichkeit erhalten. Vom gutbürgerlichen Gasthof bis hin zur Spitzenhotellerie können die Gastronomen auf zahlreiche Auszeichnungen verweisen. In den vergangenen Jahren konnte Wirsberg viele Ehrungen entgegennehmen, unter anderem „Familienfreundlicher Urlaubsort“, „Baumfreundliche Gemeinde“, „Behinderten- und Seniorenfreundliche Gemeinde“, den Sonderpreis „Das schönere Dorf“ und den Siegertitel „Gastliches Bayern“. Durch die kontinuierliche Verbesserung der Infrastruktur wurde Wirsberg zu einem Schmuckkästchen in Oberfranken.