Recherche von Gymnasiasten

Projektarbeit Burgkunstadter Gymnasiasten über Cittaslow

Hat Burgkunstadt das Zeug zur „Cittaslow“?

Im Rahmen des neuen achtjährigen Gymnasiums, das die Schüler stärker auf das Berufsleben und dabei vor allem auf Projektarbeit vorbereiten soll, beschäftigt sich das P-Seminar Geografie des Gymnasiums Burgkunstadt unter der Leitung von Geografielehrer Siegbert Thiel mit der Frage, ob der Schulort Burgkunstadt das Potenzial hat, den Status einer „Cittaslow“ zu erreichen. Praktische Informationen vermittelte eine Exkursion nach Wirsberg, der einzigen „Cittaslow“ in der näheren Umgebung.

„Cittaslow“ ist ein Stadtentwicklungsprogramm für nachhaltige Stadtentwicklung mit dem Ziel der „Entschleunigung“ von Städten. Das heißt, Leitfaden einer Entwicklung sind zum Beispiel die Erhaltung und Steigerung der Lebensqualität, die Bewahrung einer typischen Stadtstruktur unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte, die Wahrung von Traditionen und regionaler Besonderheiten sowie die Förderung regionaltypischer Produkte und die Schaffung regionaler Wirtschaftskreisläufe.
Im P-Seminar Geografie des Gymnasiums Burgkunstadt sollen die im Schulort vorhandenen Möglichkeiten für eine eventuelle Zertifizierung der Stadt nach dem Kriterienkatalog des Vereins der Cittaslow-Städte untersucht werden. Das Ergebnis der Analyse soll in ein Gutachten für die Stadtplaner münden bzw. in eine Agenda für den Burgkunstadter Stadtrat mit dem Ziel einer allgemeinen Verbesserung der Lebensqualität am Ort. Dafür recherchierten die Schüler bereits bei Vereinen und Organisationen und holten Informationen bei der Stadtverwaltung und bei Manfred Schardt, dem Geschäftsleiter, ein.

Mehr Lebensqualität

Gleichzeitig dienten diese Untersuchungen der Vorbereitung einer Exkursion nach Wirsberg, bei der ein Zusammentreffen mit Hermann Anselstetter, dem Bürgermeister des Marktes Wirsberg, und Raimund Schramm, dem Leiter der Gäste-Information Wirsberg, im Mittelpunkt stand. Dabei erhielten die Schüler den Eindruck, dass man sich in dem staatlich anerkannten Luftkurort mit der Lebenseinstellung der „Cittaslow“-Bewegung sehr gut identifizieren kann, was sie auch an der Gastfreundschaft merkten: Sie wurden mit Erfrischungsgetränken und Snacks begrüßt. Während des rund zweieinhalbstündigen Vortrages mit Diskussion über den Entwicklungsprozess der Gemeinde bis zur Verleihung des Zertifikats, das dem Ort erlaubt, sich „Cittaslow“ zu nennen, präsentierte Raimund Schramm eine Stadtchronik und stellte zusammen mit Bürgermeister Anselstetter anschaulich dar, welche Maßnahmen zum Erreichen der Zertifizierung in der Gemeinde vorgenommen wurden.

Exemplarisch wurde dargelegt, wie in Wirsberg vor allem Kulturgut für spätere Generationen geschützt werde und wie der Ort unter Mithilfe des ortsansässigen Sternekochs Alexander Herrmann regionale Küche fördere. Hierbei wurde deutlich, dass die Beschäftigung mit diesem Thema eher zufällig durch eine Begegnung Anselstetters mit dem Bürgermeister Hersbrucks, der ersten deutschen „Cittaslow“, und zugleich dem Präsidenten der „Cittaslow“-Vereinigung entstanden ist.

Ein erster Vergleich Wirsbergs mit Burgkunstadt ergab, dass am Schulort der Gymnasiasten wesentliche Merkmale einer „entschleunigten Stadt“ fehlen und diese nur in einem längeren Prozess verwirklicht werden könnten. Voraussetzung: der Wille und das Engagement der Stadt und der Bevölkerung.

Das Bild zeigt einen Teil der Seminarteilnehmer in der Diskussion mit Wirsbergs Bürgermeister Hermann Anselstetter (Zweiter von rechts) und dem Leiter der Gäste-Information, Raimund Schramm
„Cittaslows“ erkennt man an der Schnecke: So konnten die Schülerinnen und Schüler bei ihrer Ortsbegehung die große „Schneckenparade“ und Informationstafel nicht übersehen.